Gauland, Sozis und Soldatenstolz

War das ein Skandal! Der AfD-Führer verherrlicht in seiner Wahlkampfrede die NAZI-Verbrechen! So oder ähnlich lauteten die Schlagzeilen. Die Schockwellen liefen zur besten Wahlkampfzeit längs und quer durch die Republik, mit Facebook und Twitter zigtausendmal  vervielfacht.

Allen voran unser ministerieller Hate-Speech-Heiko, der auf seinem Twitter-Account folgendes zum besten gab:

Die SPD-Kandidatin Kerstin Griese ließ es sich nicht nehmen, diese höchstministerielle Absonderung auf ihrem Facebook-Account zu teilen:

Was war passiert:

Am 2. September, dem Sedantag, hatte Alexander Gauland beim Kyffhäusertreffen vor Veteranen  die folgenden Worte gebraucht:

„Wenn die Franzosen zu Recht stolz auf ihren Kaiser sind und die Briten auf Nelson und Churchill, haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.“

Die inkriminierte Passage findet sich ab 12:30

Zunächst nahm die Öffentlichkeit keine Notiz, obgleich die Rede im Netz für jedermann einsehbar war. Erst nach knapp zwei Wochen kam es den Machern eines Blogs in den Sinn, man könne das ganze doch skandalisieren. Und tatsächlich biss die hiesige journalistische Schwarmintelligenz nur zu gern auf den dargebotenen Happen. Unter anderem auch der bei der FAZ-Redaktion auf die AfD abgerichtete Wadenbeißer, Justus Bender. Während sein Kommentar  noch vergleichsweise harmlos ausfiel, hatte es der URL-Text, mit dem er sein Elaborat einstellte, in sich:

http://www.faz.net/aktuell/politik/bundestagswahl/afd-alexander-gauland-relativiert-verbrechen-der-wehrmacht-15199412.html

Und ein eifriger Beobachter wollte auf Abgeordnetenwatch  von sämtlichen AfD-Kandidaten noch unbedingt vor dem 24. September wissen, ob man denn einen Parteiausschluss von Alexander Gauland befürworten würde. Und schickte gleich zur Belehrung ein paar neuere Zeitungsartikel über Verbrechen der Wehrmacht: https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/bernd-ulrich/question/2017-09-21/292930

Nun ja, wer mich kennt, der weiß: Nachhilfeunterricht in jüngerer deutscher Geschichte habe ich in den seltensten Fällen nötig. In der Regel kann ich ihn selber erteilen. So lautete meine Antwort wie folgt:

Wie Ihnen vielleicht bekannt ist, wurde die deutsche Wehrmacht von den Alliierten bei den Nürnberger Prozessen nicht als verbrecherische Organisation eingestuft; in Gegensatz etwa zur SS. Ich denke, die Richter der Nürnberger Prozesse waren etwas näher am damaligen Geschehen als heutige Kommentatoren. Noch ein Gesichtspunkt:

Am 3. Dezember 1952 gab Bundeskanzler Konrad Adenauer vor dem Deutschen Bundestag die Erklärung ab:

„Wir möchten heute vor diesem Hohen Haus im Namen der Regierungen erklären, daß wir alle Waffenträger unseres Volkes, die im Rahmen der hohen soldatischen Überlieferungen ehrenhaft zu Lande, zu Wasser und in der Luft gekämpft haben, anerkennen. Wir sind überzeugt, daß der gute Ruf und die große Leistung des deutschen Soldaten trotz aller Schmähungen während der vergangenen Jahre in unserem Volk noch lebendig geblieben sind und auch bleiben werden. Es muß auch gemeinsame Aufgabe sein, und ich bin sicher, wir werden sie lösen, die sittlichen Werte des deutschen Soldatentums mit der Demokratie zu verschmelzen.“

In der  FAZ vom 27.6.2017, Seite 9, wird der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe mit folgenden Worten zitiert: „Die Wehrmacht als Institution kann keine Tradition begründen, einzelne Soldaten, die tapfer und anständig gekämpft haben, aber sehr wohl.“

Ich hätte von der studierten Historikerin Kerstin Griese eine ähnlich differenzierte Sicht erwartet.  Fehlanzeige!

Mein Großvater als Weltkriegssoldat 1914.  Ich habe ihn noch als liebevollen Opa erlebt. Nach Sozi-Lesart wäre er ein Wehrmachtsverbrecher.



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