Pegida in Dresden: Ein Augenzeugenbericht vom 19.10.2015

Hier der wörtliche Bericht eines Freundes, der gestern in Dresden dabei war:

Pegida 19.10.2015 Dresden

Pegida 19.10.2015 Dresden

Die genehmigte Veranstaltung zum 1. Jahrestag der Pegida-Bewegung fand auf dem Theaterplatz als Kundgebung statt, also nicht als Spaziergang.

Pegida-Gegner veranstalteten etwa gleichzeitig einen Sternmarsch, der in der Altstadt enden sollte.

Ich bin mit der Straßenbahn bis zum Haus der Presse gefahren und von dort vorbei am Landtag zwischen Zwinger und Oper auf den Theaterplatz gelaufen und kurz vor dem Denkmal in Richtung Italienisches Dörfchen/Bühne gestanden, es gab keine Probleme.

Der Leiter der Veranstaltung, Herr Bachmann, gab zu Beginn wie wohl üblich Verhaltensregeln bekannt.

Es gab etliche Gastredner:
           eine Tschechin
            ein Italiener/Liga Nord
            ein Niederländer
            ein Engländer
            eine Polin
            ein deutsch-türkischer Schriftsteller (Akif Pirincci, nachträglich recherchiert)
            weitere wohl von Pegida

Hauptthemen waren die Flüchtlingspolitik, die damit einhergehende Islamisierung, die Haltung der Politiker und die Berichterstattung der Medien.

Der Beitrag von Herrn Pirincci war für mich in der Form ungewohnt, vom Inhalt her traf aber auch er die Themen richtig.

Durch die internationale Beteiligung kam deutlich zum Ausdruck, dass die Befürchtungen der Pegida kein deutsches sondern ein europäisches Problem sind.

Es war mein erster Pegida-Besuch und meine zweite Teilnahme an einer Protestveranstaltung nach den Protestmärschen zur Wende. Ich war eher überrascht, wie zurückhaltend und diszipliniert die Teilnehmer in meinem Umkreis waren, und ich stand ziemlich in der Mitte des Theaterplatzes.

Es gab Sprechchöre zu „Wir sind das Volk“, „Widerstand“, „Volksverräter“, „Lügenpresse“, „Merkel muß weg“, sonst war es erstaunlich ruhig, nicht zu vergleichen mit dem, was in Fußballstadien abläuft.

Herr Bachman schätzte im Laufe der Veranstaltung ein, dass heute die meisten Teilnehmer waren, es wurde darauf hingewiesen, dass der Theaterplatz voll wäre und man wisse, wieviele darauf Platz hätten (> 30 T).

Bereits kurz nach der Eröffnung gab Herr Bachmann bekannt, dass ein Pegida-Besucher mit einer Eisenstange attackiert und schwer verletzt worden sei.

Mit zunehmender Dauer wurden an den Grenzen zwischen Pegida- und Gegendemonstranten Störgeräusche laut, Inhalt war nicht zu verstehen, ich denke, das waren die Gegendemonstranten, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Pegida-Teilnehmer sich selbst stören. In Richtung Brücke/Brühlsche Terrasse stiegen vereinzelt Böller auf.

Viele Pegida-Teilnehmer trugen Fahnen, auch Transparente gab es häufig, eines konnte ich im Vordergrund zufällig fotografieren.

DieVeranstaltung endete etwa gegen 21 Uhr 30, wir konnten allerdings die Veranstaltung nicht unmittelbar nach Beendigung verlassen, weil alle Zu- und Abgänge durch Gegendemonstranten blockiert waren. Erst nachdem die Polizei Abgänge geschaffen hatte, konnten wir nach Hause gehen, es wurden entsprechende Korridore bekanntgegeben, vor Richtung Postplatz wurde gewarnt. Außerdem wurde empfohlen, in Gruppen nicht kleiner 10 zu gehen. Ich bin rechts neben der Oper Richtung Landtag inmitten Tausender Teilnehmer gelaufen, das Spalier von Einsatzwagen endete erst etwa hinter dem Landtag.

Die nach Hause laufenden Menschen bedankten sich in Sprechchören bei der Polizei. 

>>>>>>>>>>>>>> Ende der Mitteilung<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

Nachtrag am 29.10.:

In der heutigen Ausgabe der FAZ wurde der Leserbrief eines anderen Teilnehmers an der Pegida-Veranstaltung veröffentlicht:

Wo war das Pack?

 Zu dem Artikel „Unreinheiten eines vermeintlichen Hochkaräters“ von Stefan Locke (FAZ. vom 21. Oktober) wäre einiges nachzutragen aus Sicht eines Teilnehmers einer Pegida-Demonstration, der sich aufgemacht hat, sich ein eigenes Bild zu machen, nach unzähligen Berichten und Äußerungen von Politikern und Journalisten, die nicht müde werden, sich gegen Hetze zu wenden, auf mich manchmal aber eher selbst wie Hetzer wirken. Also auf nach Dresden, allen Warnungen von Heiko Maas zum Trotz. Gegen 18.00 Uhr begaben sich immer mehr Pegida-Anhänger auf den Weg in Richtung Theaterplatz. Aber was waren das für Leute? Die konnten eben aus der Einkaufspassage oder von der Arbeit gekommen sein. Es waren Bürger, wie man sie überall im Alltag trifft, etliche mit Fahnen, einige mit Plakaten (z. B. „1989 waren wir noch Helden, 2015 sind wir das Pack“). Auf meinem Weg zum Altmarkt sah ich einzelne Personengruppen gleicher Art, von denen nicht die geringste Gefahr ausging, dazu ein paar entspannte Polizisten.

 Der Theaterplatz füllte sich langsam weiter mit Menschen oben beschriebenen Typs, die ruhig und geduldig auf den Beginn warteten, keinerlei Auffälligkeiten um mich herum (Standplatz nahe dem Denkmal). Die Veranstaltung lief völlig kontrolliert ab mit Beiträgen, die die momentane Politik besorgt ablehnten, die Bezeichnung »Hetze“ aber nicht verdienten. Dann wurde Akif Pirinçci damit angekündigt, er würde ein Kapitel aus einem noch unveröffentlichten Buch vorlesen. Doch der änderte einfach das Programm, indem er sich nicht an die Ankündigung hielt, sondern eine eigene Rede vortrug, die vor Unflat nur so strotzte. Die Menge brauchte etwas Zeit, um zu realisieren, was ihr da serviert wurde, und nach einzelnen Rufen „Aufhören – aufhören!“ skandierte es die Menge, beim ersten Mal noch ohne Erfolg. Beim zweiten Mal konnte sie den Abbruch dieser Zumutung erzwingen.

 Vier weitere Demonstrationen von Pegida-Gegnern  waren als „.Sternmarsch’* bezeichnet, endeten aber nicht im Zentrum eines Sterns, sondern an vier verschiedenen Orten in der Nähe des Theaterplatzes. Sie hätten so gar nicht genehmigt werden dürfen, weil sie die Ausgänge des Theaterplatzes blockierten, ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Nur die Veranstalter der Pegida-Demonstration waren in diesem Augenblick schon im Bilde, die Menge ahnte nichts davon und wunderte sich nur über noch eine Rede, obwohl die Dauer der Veranstaltung mindestens schon zweieinhalb Stunden betragen hatte, die nicht nur junge Menschen stehend auf dem Platz verbracht hatten. Dann klärten die Veranstalter die Teilnehmer über die Lage auf und baten noch um Geduld, bis die Polizei zwei Wege zum Verlassen der Veranstaltung freigeräumt hatte.

 Auch in dieser Situation zeigte sich in der Menge kein aggressives Verhalten. Locke scheint den Teilnehmern aber doch etwas anhangen zu wollen und berichtet über Urinieren an die umliegenden Kultureinrichtungen. Indem er die Blockade verschweigt, scheint dies deren Geringschätzung für Kultureinrichtungen zu zeigen, war aber in Wirklichkeit die Folge der Nötigung durch andere Demonstranten, die einen unerwartet langen Aufenthalt auf dem Platz erzwangen.

 Dann wurden zwei sichere Wege gewiesen zum Verlassen der Veranstaltung, und die Teilnehmer und ich selbst machten sich auf den Weg nach Hause. Beim Passieren von Polizeikräften spendeten sie Beifall und skandierten „Eins, zwei, drei – danke Polizei“. Was haben diese Menschen mit irgendwelchen wildgewordenen Gewalttätern zu tun? Locke berichtet: „ … zudem lieferten sich militante Antifa-Gruppen (also keine Pegida-Leute) Scharmützel mit der Polizei und versuchten, Barrikaden zu errichten“. Wie viele von denen wurden festgenommen und des Landfriedensbruchs angeklagt?

————————Ende des Textes ———

 

FAZ vom 29.10.2015

FAZ vom 29.10.2015



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