Das Bild des toten Kindes am Strand

ging um die Welt. Berührend, traurig, erschütternd. Jeden, der nur einen Funken Gefühl und Mitleid mit sich im Leib trägt, traf es mitten ins Herz. Da liegt es, ein kleines unschuldige Wesen, das viel zu früh sterben mußte. Ein dreijähriger Junge, direkt am Flutsaum, ertrunken auf der Suche nach einem besseren Leben.

Mit dem Jungen starb auch sein älterer Bruder, die Mutter und noch zehn andere Passagiere. Von der Familie überlebte nur der Vater. Gewissenlose Schlepper hatten ein zu kleines Boot überladen. Es kenterte auf der Überfahrt. Die Passagiere hatten die Schwimmwesten abgelegt  damit noch mehr Menschen in die Nußschale gepfercht werden konnten. Das war für die meisten das Todesurteil.

Und doch, es bleiben Fragen: Warum hat es der Vater überhaupt zugelassen, daß sich seine Familie auf die gefährliche Überfahrt machte? Und zudem ohne Schwimmwesten? In der Türkei bestand keine Lebensgefahr mehr für die kleine Gruppe aus dem kurdischen Kobane. Warum also?

Das Bild des toten Kindes am Strand: Wie ist es entstanden? Ich frage mich selbst: Wie hätte ich wohl gehandelt, wenn ich einen leblosen Körper, halb im Wasser liegend, finde? Mein erster Gedanke: Hilfe leisten! Vielleicht ist doch noch nicht alles zu spät! Das Kind sofort aus dem Wasser ziehen, auf den Kopf stellen damit das Wasser aus der Lunge abfließt und Wiederbelebungsversuche machen! So wie es jeder Schwimmschüler lernt und erst recht alle Helfer reflexartig beherrschen müßen.

Aber statt dessen: Den kleinen Aylan im kalten Wasser liegen lassen und erst Fotos schießen? Die Agenturen haben Fotos verbreitet, die den Jungen noch im Wasser liegend aus verschiedenen Ansichten zeigen. Und im Video ist zu sehen, wie die Kamera langsam auf den hilflosen Körper zu fährt. Wer ist so herzlos?

Denn: So fotogen wie auf den Bildern wird von der Brandung kein Leichnam am Strand angespült. Die Arme dicht am Körper angelegt, das Gesicht nach unten, die Beine geschlossen und leicht angewinkelt. Gerade so, als ob das Kind friedlich schläft. Dieses Bild weckt Emotionen und genau das ist wohl auch beabsichtigt. Ein schlimmer Verdacht: Wurde die Kinderleiche  zum Fotoshooting absichtsvoll so an den Strand drapiert?

Auf CNN gibt es ein Video von der „Aufnahmesituation“: Da steht ein Uniformierter direkt daneben und knipst zunächst aller Seelenruhe das Kind. Erst anschließend kümmert er sich um den leblosen Körper. Handelt so ein Retter? Dabei macht der Uniformträger nicht die geringsten Anstalten einer ersten Hilfe. Und ein zweiter hockt daneben und fotografiert ebenfalls.

https://www.youtube.com/watch?v=oXRYFHOF8J8

Die im Netz und in den Medien veröffentlichten Bilder des toten Jungen stammen von der Fotojournalistin Nilüfer Demir. Sie hat die Vermarktung der Urheberrechte an Getty-Images abgetreten. Von dort mussten die Medien, die das Bild weiter verbreitet haben, kostenpflichtig lizensieren:

http://www.gettyimages.de/fotos/nilufer-demir

Getty-Images bietet die Lizenz zur zeitlich begrenzten Nutzung im Internet-Shop an. Der Preis richtet sich nach Medium, Format, Auflagenhöhe und Verbreitung. Hier ein Beispiel:

Screenshot des Einkaufswagens zur Bildlizensierung

Screenshot des Einkaufswagens zur Bildlizensierung

Mich überkommt ein dumpfes Gefühl der Leere. Das Bild hat die Welt aufgewühlt. Aber darf man so mit dem Tod ins Geschäft kommen? Und heiligt der Zweck die Mittel?

Das fragt sich

Euer Bernd



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