Elektroauto: Illusion und Irrtum

Intelligenz oder Idiotie?

Intelligenz oder Idiotie?

Nur noch wenige Tage, dann steht der BMW i3 bei den Händlern. Seit Wochen wird in großformatigen Zeitungsanzeigen die Werbetrommel gerührt. Selten wurde ein Auto von den Medien mit so viel Vorschusslorbeeren bedacht.  Sogar der längst verstorbene  Albert Einstein muß als Werbefigur herhalten.

BMW macht mächtig Dampf. Verzeihung, natürlich Spannung mit der neuesten Kreation i-3. Klingt irgendwie nach i-Produkten wie iPhone, iTunes, iMac. Diese Assoziation ist beabsichtigt. Ein gelungenes Marketing. Ebenso wie die neue Internet-Domain www.bmw-i.de.  Tolle Idee!

Der i3 ist nur ein Beispiel. VW-UP, Tesla und die andere Stromer lassen nur den einen Schluss zu, nämlich: 

Elektroautos sind künftig der absolute Renner. Sauber, umweltfreundlich, wirtschaftlich und  sparsam im Verbrauch. Eine zwingende Alternative zu Diesel und Otto. Dem Elektroauto gehört die Zukunft.

Egal, welche Zeitung man aufschlägt. Gleichgültig, welchen Testbericht man liest. Überall  diese gleiche Botschaft von Auto-Testern und Motorjournalisten. Keine Veröffentlichung, in der nicht das hohe Lied der Elektromobilität gesungen wird. Beispiel: Neuer BMW i3 besiegt VW Golf GTD aus http://www.autobild.de/artikel/bmw-i3-fahrbericht-4405149.html

Die Energiewende  haben sich die Deutschen als große nationale Aufgabe auf die Fahne geschrieben. Elektromobilität ist  dabei ein wichtiger   Meilenstein. Pusten doch die Kutschen mit den Verbrennungsmotoren  immer noch mächtig viel von dem als Klimakiller verschrienen  CO² in die Luft.

Bei dieser neuen deutsch-nationalen Bewegung  will niemand abseits stehen. Abweichler und Spielverderber sind  unerwünscht. Und zwar bei Politikern, Verlagshäusern und Lesern gleichermaßen. Auch Motorjournalisten müssen Linientreue beweisen und in den großen Chor mit einstimmen.

Nur: wer sich die Mühe macht und dann die Details der Testberichte studiert, der erlebt eine unangenehme Überraschung: Denn die Inhalte der Reportagen, die Daten und Messwerte  passen  nicht zu den Botschaften der jeweiligen Überschriften.   Kurz gefasst: miserable Reichweiten der Stromer; lange Ladezeiten der Akkus, geringe Alltagstauglichkeit.  Hohes Eigenwicht der teuren Batterie. Klimaanlage? Besser nicht einschalten. Und im Winter Schal und Handschuhe mitnehmen. Denn nicht nur Kälte verringert die ohnehin schon geringe Reichweite, eine eingeschaltete Heizung leistet dazu ihr übriges. Und nicht zuletzt: Die Elektromobile sind richtig teuer: sie kosten in der Regel das doppelte eines vergleichbaren PKW bei geringerem Nutzwert.

 Das absolute Premium-Modell unter den Elektroautos, der Tesla S, macht da keine Ausnahme: Für die an sich schon bescheidene Reichweite von etwa 400 Kilometern  muß  der Tesla eine Batterie von über 800 kg Gewicht mit sich herumschleppen. Das ist deutlich mehr, als der gute alte VW-Käfer vollgetankt auf die Waage gebracht hat. Als Ersatzteil kostet die Batterie in USA sechsunddreißigtausend  Dollar plus Steuer. Und dass diese Lithium-Ionen Akkus brandgefährlich sind, das haben die Pannen mit den Dreamliner eindrucksvoll gezeigt.  Die Tesla-Stromquelle besteht aus tausenden parallel und seriell geschalteten Handy-Akkus. Wenn da mal einer durchbrennt wird es heiß unter dem Fahrersitz. Schnell nachtanken? Fehlanzeige.

 Kein Wunder, daß in der ganzen Diskussion der Elektroantrieb für Nutzfahrzeuge kein Thema ist. Spediteure müssen mit den spitzen Bleistift rechnen. Eine 5-Tonnen-Batterie kostet nicht nur mehr als der ganze LKW, sie verringert auch die Nutzlast eines 38-Tonners entsprechend. Auch Traktoren und sonstige Arbeitsmaschinen sind außen vor.  Und kein Verteidigungspolitiker, nicht einmal die Grünen, denken über elektrisch betriebene Kampfpanzer nach. 

Es ist höchste Zeit, mit  den  Illusionen und Tagträumen der Energiewende-beseelten Politiker und Mitbürger  aufzuräumen.

Illusion: In wenigen Jahren spielen Elektroautos eine wichtige Rolle im Straßenverkehr.

Irrtum! Eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen im Jahre 2020. Das haben sich die Kanzlerin und ihre Mitstreiter vorgenommen. Bei derzeit über 40 Mio PKW in Deutschland ist  dieses Ziel an sich schon bescheiden genug. Trotzdem wird diese Zahl meilenweit verfehlt werden. Vermutlich werden es nicht einmal Hunderttausend. Derzeit machen die Stromer nicht einmal ein Promille der Neuzulassungen aus.

http://www.kba.de/nn_125398/DE/Statistik/Fahrzeuge/Bestand/bestand__node.html?__nnn=true

Illusion: Die geringe Reichweite der heutigen Elektroautos ist nur eine Frage der Zeit. Neue Batterien kommen schon bald auf den Markt.

Irrtum! Mit der Lithium-Ionen-Technik ist die Chemie jetzt schon ausgereizt. Derzeit sind 200 Watt-Stunden pro Kilogramm Batterie möglich. Die Forschung peilt 500 Watt-Stunden an. Das ist dann aber  auch das Ende der Fahnenstange. Mehr ist physikalisch nicht drin. Alles andere sind ungelegte Eier und pure Spekulation. Zum Vergleich: Ein Liter Benzin hat die fünfzigfache Energiedichte gegenüber dem besten Li-Akku.

Illusion: Die Brennstoffzelle ist die Antriebsquelle der Zukunft.

Vorsicht! Die Brennstoffzelle ist ein alter Hut. Schon in den siebziger Jahren wurde prophezeit, daß ab 1990 die ersten PKW mit Brennstoffzellentechnik zur Serienreife gebracht werden. Heute, über ein Vierteljahrhundert später sind wir schlauer. Seit Jahren schon fahren  etwa hundert Mercedes-Autos mit Brennstoffzellen zu Testzwecken auf den Straßen. Die internen Testergebnisse sind wohl  nicht sehr ermutigend, denn man hört wenig aus dem Daimler-Konzern. Frühere Zeitpläne wurden mehrmals revidiert.  Der koreanische Hersteller Hundai hingegen bietet bereits Brennstoffzellenautos  zum Leasing an. Wohlweislich nicht zum Verkauf, denn da würde ein Exemplar über hunderttausend Euro kosten.  Und man möchte Ärger mit Garantiefällen von vornherein aus dem Weg gehen. – Weiteres K.O.-Kriterium ist die mangelnde Verfügbarkeit von Wasserstofftankstellen. Hier sind Millionen-Investitionen notwendig. Wohlgemerkt: Pro einzelner Tankstelle.  Ein weiterer Nachteil des Brennstoffzellenantriebs ist die nicht vorhandene Kaltstartfähigkeit. Die Brennstoffzelle benötigt einige  Zeit um auf Betriebstemperatur zu kommen. Erst dann wird Strom erzeugt. Somit muß auch ein Brennstoffzellenauto eine schwergewichtige Batterie mitführen um die ersten Kilometer elektrisch zurückzulegen: -Wer mehr darüber lesen will:  →hier.

Illusion: Hybrid-Autos sind eine wichtige Technik für den Übergang in die Elektromobilität.

Irrtum! Hybrid-Fahrzeuge vereinigen die Nachteile von Benzin- und Elektrofahrzeugen. Es muß eine ziemlich schwere Batterie mitgeschleppt werden, die gerade mal für 30 Kilometer elektrischer Reichweite ausgelegt ist. Nicht nur das: Der Elektromotor noch zusätzlich zur konventionellen Verbrennungsmaschine gibt zusätzliches Gewicht. Deswegen eignen sich nur schwere, teure Wagen für den Hybrid-Antrieb. Da kommt es auf ein paar Hundert Kilo mehr und fünfzehntausend Euro zusätzlich nicht an. Aber das ökologische Gewissen ist beruhigt, wenn am Heck der S-Klasse der Schriftzug Hybrid lesbar ist.

Illusion: Die fossilen Ressourcen für Benzin und Diesel werden schon bald knapp, deswegen gibt es keine Alternative zum Elektroauto.

Irrtum! Die jetzt nachgewiesenen Vorräte  reichen noch für mehrere hundert Jahre. Es ist lediglich eine Frage des Preises. Und selbst wenn eines fernen Tages die Ressourcen erschöpft sein sollten: Dann könnte man Treibstoff mit Hilfe von Strom künstlich herstellen. Oder Sprit  aus nachwachsenden Ressourcen nutzen, wie etwa Ethanol oder Pflanzenöl. Kostet im Großhandel weniger als ein Euro pro Liter.

Illusion: Wasserstoff ist die Energiequelle der Zukunft; insbesondere für die automobile Fortbewegung.

Irrtum! Wasserstoff ist  als Treibstoff für Verbrennungsmotoren oder Brennstoffzellen hochproblematisch. Für Transport und Speicherung muß dieses hochexplosive Gas unter  hohem Druck auf 700 atü  verdichtet werden. Zum Vergleich: Erdgas benötigt lediglich 180 atü.  Dementsprechend dickwandig müssen die Stahltanks für Fahrzeuge und Tankstellen dimensioniert werden. Bei der  Kompression gehen bereits 20% der gespeicherten Energie verloren.  Alternative Speichermöglichkeiten sind nicht in Sicht.

Illusion: Läuft der Autoverkehr in Deutschland nur noch elektrisch, dann haben wir einen wichtigen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz geleistet.

Irrtum! Das kleine Deutschland ist gerade mal mit zwei Prozent am weltweiten CO²-Ausstoß beteiligt. Der Anteil des PKW-Verkehrs an den Kohlendioxid-Emissionen in diesem Land beträgt ca. 15%. Damit tragen die 43 Millionen deutschen Autos gerade mal 3 Promille zum weltweiten CO² bei.  

Seien wir mal optimistisch. Nehmen wir mal an, in ein paar Jahren hätten sich Elektroautos mit leistungsfähigen Batterien bei uns durchgesetzt. Im grenznahmen Bereich werden die Autofahrer zum Stromzapfen über die Grenze fahren. Denn der Strom aus der Steckdose ist  im Ausland wesentlich billiger als hierzulande. Stromtourismus statt Tanktourismus, Tendenz steigend. Und dem Staat fehlen 40 Mrd. Euro Mineralölsteuer.

Ob das der wahre Grund ist, weshalb die Regierung schon jetzt die  PKW-Maut  einführen will?

Bleibt noch eine Frage: Warum macht BMW soviel Wind um den i3 und investiert eine Milliarde in Entwicklung und Marketing? Das gibt  doch keinen Sinn, wenn sich die Batterie-Autos nicht verkaufen?

 Antwort: Der i3 ist für BMW ein Aushängeschild sowie  Image- und Sympathieträger. Um den Ökoideologen,  Politikern und Klimarettern zu beweisen: Schaut her, wir können das. Denn BMW mit seinen schnellen, teuren Karossen steht wie die übrigen deutschen Premium-Hersteller ständig in der Kritik von Grünen, Roten und Umweltfunktionären. Denen wird mit dem neuen  Elektromobil der Wind aus den Segeln genommen. Das Ganze erinnert an eine  alte Geschichte des Volkswagenkonzerns: Damals standen die Manager mächtig unter  öffentlichen Druck, um endlich ein verbrauchsarmes Vehikel auf den Markt zu bringen. Als dann schließlich das Drei-Liter-Auto aus der Taufe gehoben war, da wollte es kaum einer kaufen.  Aber die abgespeckte Version des VW-Polo hatte ihren Zweck erfüllt: Volkswagen  war aus der Schusslinie und erhielt Lob von allen Seiten.

 Ähnlich wird es mit dem BMW-i3 gehen. Jeder wird dieses knuddelige kleine Wägelchen, das nicht von ungefähr so aussieht wie eine Kreuzung zwischen Smart und Twingo, mögen und lieb haben. Aber kaufen?  Lassen wir uns überraschen. Und was die Investitionen angeht: Die Entwicklung neuer Werkstoffe und Verfahrenstechniken für  Aluminium und Karbon kommt auch der übrigen Produktpalette von BMW zugute. Und von der Image-Werbung profitiert der ganze weis-blaue Konzern.


One Comment on “Elektroauto: Illusion und Irrtum”

  1. Anonymous sagt:

    Hallo Bernd,

    guter Artikel. Die Speicherung von Wasserstoff in Autos ist noch problematischer als die schweren Li-Akkus. Ein Freund von mir ist Chemiker und forschte fuer das US Department of Transportation (US Verkehrsministerium) an der Universitaet von Pennsylvania an der Speicherung von Wasserstoff in poroesen Metallen und Nanoroehrchen. Physikalisch war dies moeglich, benoetigte aber einen hohen Druck um den Wasserstoff in ausreichender Energiedichte in den Metalschwamm oder in die Nanoroehrchen zu pressen. Danach muss der Wasserstoff unter Hitze wieder aus dem Metalschwamm geloest werden. Die Energiebilanz ist mieserable fuer Speichermedien die sicher sind. Wasserstofftanks sind gefaehrlich und mit einer dicken Doppelwand mit selbstabdichtendem Schaum, aehnlich den Tanks von Kampfflugzeugen, leider recht schwer und muessen gekuehlt werden.

    In Spanien an der Universitaet Valenzia, oder Madrid wenn ich mich nicht irre, haben Biologen und Chemiker herausgefunden wie man Oel synthetisch herstellen kann aus Plankton. Dabei werden in grossen Silos aus Glas ein einer Loesung mit Plankton Naehrstoffe gegeben, zumeist aus Pflanzenresten der Landwirtschaft, damit das Plankton sich schnell vermehren kann. Es verzehrt dabei den Sauerstoff, stirbt ab und sinkt zu Boden. Durch sein Eigengewicht verdichtet es sich und verwehst zu eine dicken schwarzen Brei. Dieser Brei ist nichts anderes als die Vorstufe zu Oel, dass ebenfalls unter hohem Druck aus verdichteten Pflanzen- und Tierresten entstanden ist. Dieser Brei ist fast reiner Kohlenstoff mit einer geringeren Energiedichte als reines Oel, kann aber ebenfalls zu Diesel, Heizoel und Benzin rafiniert werden.

    Dieses Verfahren ist in Deutschland als „Verkohlung“ von Kohle zu Oel seit dem 2. Weltkrieg bekannt als der Wehrmacht der Diesel fuer das Panzerheer ausging.

    Das Verfahren kann man groessflaechig einsetzen. Somit waere ein Ersatz fuer Oel kein Problem, in Grossmengen preiswert und in der vorhandenen Infrastruktur einsetzbar.

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