Prof. Christian Pfeiffer ???

Was für eine Sorte Wissenschaftler ist das eigentlich, der sich da von seinem Auftraggeber  zensiert fühlt?

Die Frankfurter Rundschau schreibt dazu:

Christian Pfeiffer liefert – fast immer

Von Katja Tichomirowa

Christian Pfeiffer

Christian Pfeiffer

Christian Pfeiffer, Kriminologe Foto: dpa/Hollemann

Christian Pfeiffer ist der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts in Niedersachsen. Die einzige repräsentative Befragung zum Thema Kindesmissbrauch in Deutschland stammt aus seinem Institut.

Kindesmissbrauch als Forschungsgegenstand ist unter Wissenschaftlern keine beliebte Disziplin. Unter Medizinern, Psychologen und Sozialwissenschaftlern galt sexuelle Gewalt gegen Kinder als Schmuddelthema. Auch Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts in Niedersachsen, ist kein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet.

Allerdings stammt die bis heute einzige repräsentative Befragung zur Thematik des sexuellen Missbrauchs von Kindern in Deutschland aus seinem Institut. Sie ist inzwischen zwanzig Jahre alt. Erst 2010 beschloss das Bundesministerium für Bildung und Forschung, Ausmaß, Ursachen und Folgen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in einem interdisziplinären Forschungsprojekt untersuchen zu lassen. Auch Pfeiffers Institut gehört zu diesem aktuellen Forschungsnetzwerk.

Dass er gern dort dabei ist, wo Brisantes öffentlichkeitswirksam verhandelt wird und dabei stets dem Lichtkegel der Kameras folgt, hat Pfeiffer bekannt gemacht. Es hat aber auch dazu beigetragen, dass der 68-Jährige nicht unumstritten ist. Pfeiffer, der kurze Zeit, von 2000 bis 2003, auch Justizminister in Niedersachsen war, sei ein „Quartals-Talker“, hielt der Stern ihm 2010 vor.

Diese Bezeichnung ist fast noch eine Untertreibung. 130 bis 160 Aktivitäten pro Jahr für Radio und Fernsehsendungen, in Form von Interviews und selbst geschriebenen Texten für Zeitungen und Magazine, gehörten für ihn selbstverständlich zum Alltag des Institutsdirektors, erklärte Pfeiffer im Mai vergangenen Jahres der Süddeutschen Zeitung.

Wissenschaftler, die es, wie Pfeiffer, in die Öffentlichkeit treibt, gelten unter weniger eloquenten Kollegen gern als Dünnbrettbohrer. Dem Direktor des Kriminologischen Instituts Niedersachsen warf man überdies vor, sein eigentliches Spezialgebiet sei „die Erkundung von lukrativen staatlichen Geldquellen für Forschungsprojekte“.

Der Fall Sebnitz

Im Oktober 2011 erregte eine Studie seines Instituts Aufsehen, die belegen sollte, dass der sexuelle Missbrauch an Kindern und Jugendlichen drastisch zurückgegangen sei. Vertreter von Opferverbänden bezweifelten das Ergebnis der Untersuchung. Die bislang größte Aufmerksamkeit erregte Pfeiffer allerdings, als er 2000 als Gutachter im „Fall Sebnitz“ auftrat.

Der damals sechsjährige Joseph Kantelberg-Abdullah war in einem Freibad der sächsischen Kleinstadt Sebnitz ertrunken. Seine Mutter sagte mehr als drei Jahre nach seinem Tod aus, ihr Sohn sei von rechtsradikalen Jugendlichen ertränkt worden. Über 200 Zeugen hätten dieser „Hinrichtung“ zugesehen. Pfeiffer erklärte damals, die Aussage der Mutter sei glaubhaft und löste damit ein gewaltiges Medienecho aus. Die Bildzeitung, aber auch viele andere Tageszeitungen übernahmen das Gutachten ohne weitere Prüfung und sorgten für eine weltweite Resonanz. Die Entrüstung schlug in Beschämung um, als sich nach einer Woche der ursprüngliche Verdacht erhärtet hatte, dass das Kind tatsächlich verunglückt war.

Pfeiffer verteidigte sein Vorgehen damit, der Anfangsverdacht, der kleine Joseph sei ertränkt worden, habe auf jeden Fall bestanden. Die Ermittlung der Tatumstände sei Aufgabe der Behörden. Der damalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hatte schwere Vorwürfe gegen Pfeiffer erhoben und ihm die Eignung als Justizminister abgesprochen. Pfeiffer wies die Anschuldigungen zurück und erklärte, das fragliche Gutachten habe ein Mitarbeiter seines Instituts erstellt.

Vorschnelle Urteile werden von den Medien allerdings ebenso gern gegeißelt wie nachgefragt. Und Christian Pfeiffer ist längst nicht der einzige Kriminologe oder Psychologe, der nach spektakulären Gewalttaten oder eben Missbrauchsfällen um eine möglichst schnelle und allgemein verständliche Ferndiagnose gebeten wird. Er liefert. Fast immer.

Aus: Frankfurter Rundschau:

http://www.fr-online.de/politik/kriminologe–christian-pfeiffer–liefert—fast-immer,1472596,21423958.html

Und der Artikel aus dem Stern:

http://www.stern.de/kultur/tv/geisseln-der-talkshows-christian-pfeiffer-quartals-talker-mit-toepfchen-theorie-1556709.html

Und sein neuester Streich:

http://nachrichten.rp-online.de/politik/kirche-empoert-ueber-zensur-vorwurf-1.3129281

Prof. Hans Joachim Meyer kommentierte mit einem Leserbrief in der FAZ:

Leserbrief zur Causa Pfeiffer in der FAZ

Leserbrief zur Causa Pfeiffer in der FAZ



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