Von Brandenburgern und Bananen: Wie die Potsdamer Kultusbürokraten weiter tapfer gegen US-Imperialisten Propaganda machten.

Wenn man die Sehnsucht der ehemals in der DDR (vormals SBZ) kasernierten Landsleute  mit einem Begriff zusammenfassen wollte: Bananen! Fast alles, woran es  im real existierenden Sozialismus mangelte, konnten wir aus dem Westen den Brüdern und Schwestern jenseits des eisernen Vorgangs per Paket schicken: Bohnenkaffee, Schokolade, Nylonstrümpfe, Pralinen. Aber Bananen, das funktionierte einfach nicht. Bis die milden Gaben den Zoll und die strengen Kontrollen des Arbeiter- und Bauernstaates passiert hätten, wären die längst zu Matsch verdorben. Und so blieb den ärmsten zwischen Elbe und Oder denn nur die Phantasie. Besonders gemein: Die Werbung im  Westfernsehen, die den armen Spreewaldgurkenkonsumenten erst richtig Appetit auf die leckeren Südfrüchte machte.

Manche Lästermäuler behaupten, die Wiedervereinigung sei nur dem Drang des Ostens zur Banane zu verdanken. Daß es den Menschen drüben gar nicht um Freiheitsrechte ging, sondern um den schnöden Genuss.  

Nun ist es eine Binsenweisheit, daß linke Ideologen in Ost und West den Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus zumeist mental unbeschadet überstanden  haben und häufig  genug ihre neue Heimstätte  in der Kultusbürokratie fanden. Kein Wunder, daß die geistigen Gefolgsleute von Honecker und Co. es sich besonders heimelig unter der Regentschaft von  Manfred Stolpe ( alias IM Sekretär) eingerichtet haben. Und dort wird die Propagandaschlacht  nun eifrig fortgesetzt. Ein altvertrautes Feindbildklischee:  Böse Yankee-Imperialisten. Besonders Objekt von Hass und Rachsucht: Bananen.

Es war um die Weihnachtszeit 2011, als ich aus purer Langeweile in den Schulbüchern meines Neffen, der in Potsdam zur Schule ging, herumstöberte. Eher zufällig nahm ich den → „Seydlitz, Geographie“ des Cornelsen Verlages zur Hand.Ich traute meinen Augen nicht, was dort den Schülern serviert wurde:

 Noch heute beherrschen amerikanische Großkonzerne den Bananenanbau …Weltweit wickeln Chiquita Brands, Dole Foods und Del Monte etwa 70% des Exportes ab und kontrollieren dabei den Anbau, Transport und Handel der Bananen, bestimmen die Preise und setzen sich oft rücksichtslos über soziale und ökonomische Standards hinweg … Der Großteil der Gewinne aus dem Bananenanbau fließt in die Mutterländer der Konzerne, nur ein Bruchteil kommt den Plantagenarbeitern zugute. Sie arbeiten zudem meist ohne soziale Absicherung und erhalten häufig nur kurzfristige Arbeitsverträge. Um Produktionskosten zu senken, müssen die Bananeros normalerweise ohne Arbeitsschutzkleidung mit den hochtoxischen Pestiziden umgehen und erleiden dabei oft schwere gesundheitliche Schäden. Gewerkschaftliches Engagement wird durch die Unternehmen unterbunden.   

 Das ganze illustriert mit einer Karikatur, in der Mittelamerika in Handschellen der Konzerne liegt.

Das schöne an solchen Schauermärchen: Man kann sie so schlecht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Nicht einfach mal so am nächsten Wochenende in den Regenwald fahren und mit Bananenbauern sprechen.  Ich überlege: Können diese Bananenverkäufer überhaupt so viel Macht haben um ganze Staaten in Ketten zu legen? Ich recherchiere in den Finanznachrichten: Alle drei Firmen kommen gemeinsam nicht  einmal auf einen Börsenwert von  3 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Allein der deutsche Brillenhändler Fielmann wird höher bewertet als alle drei Yankees zusammen. Ich vermute, daß da ein halbwegs funktionierendes mittelamerikanisches Drogenkartell wesentlich mehr Einfluß in der Region ausübt.

Ich beschließe, der Sache auf den Grund zu gehen. Ich erspare es mir, den Verlag selbst zu anzuschreiben. Denn was hatte ich seinerzeit als Antwort bekommen, als ich bei anderer Gelegenheit schon einmal auf linkslastige Propaganda aufmerksam machte: 

Das  Kursbuch Geschichte – Ausgabe Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern wurde auf der Basis der Lehrpläne dieser drei Bundesländer konzipiert. Auswahl und Gewichtung der Themen folgen dabei den Vorgaben der von den jeweiligen Kultusministerien erlassenen Lehrpläne. Zusätzlich durchlief das Kursbuch ein ministerielles Prüfungsverfahren, an dem sowohl die Fachbeamten des Ministeriums als auch unabhängige Gutachter beteiligt waren. Es gab keinerlei Beanstandungen und das Lehrwerk wurde für den Gebrauch im Unterricht an den Gymnasien genehmigt.

Diesmal nehme ich keinen Kontakt mit den Verlag auf. Sondern informiere gleich die Diffamierten:

 An Chiquita, Del Monte, Dole

 Sehr geehrte Damen und Herren,

   im aktuellen, bundesweit im  Oberstufenunterricht verwendetem Schulbuch „Seydlitz, Geographie“ des Cornelsen Verlages heißt es wörtlich über Ihr Unternehmen:

 …. und setzen sich oft rücksichtslos über soziale und ökonomische Standards hinweg….

 Gefunden auf Seite 274 und 275 , Seydlitz, Geographie Oberstufe, 2009, ISBN 978-3-507-52347-0.

 Ich halte diese Darstellung einfach für unglaublich. Ähnliche Diffamierungen von einzelnen Unternehmen habe ich in meinem Gymnasialunterricht, der nun schon einige Jahre zurückliegt, nicht erlebt. Mich würde interessieren, ob Ihnen dieser Unterrichtsstoff bekannt ist und was Sie gedenken dagegen zu unternehmen.

 Die betreffenden Abschnitte aus dem Unterrichtswerk liegen dieser Mail als PDF bei.

 Mit freundlichen Grüßen

 Die Antworten lassen nicht lange auf sich warten:

 Sehr geehrter Herr Ulrich,

der Schulbuch –Verlag hat sich uns gegenüber verbindlich verpflichtet das Kapitel über die Bananen bei Neuauflage des Schulbuchs nicht wieder zu verwenden und hat sich an dieses Versprechen auch gehalten,. Desweiteren habe wir mündlich verabredet, dass bei Publikationen aus diesem Verlag, die sich mit dem „Thema Banane“ beschäftigen , wir zu Rate gezogen werden. Davon wurde bisher kein Gebrauch gemacht.

 und

Wir haben dem Verlag geschrieben und unseren Standpunkt erklärt. Dieser hat zugesagt, dass Dole in Zukunft nicht mehr erwähnt werden wird. Leider können die sich im Umlauf befindlichen Büchern nicht zurück geholt werden.

Ok, das hat gewirkt. Schade, daß kein öffentlicher Widerruf kam. Was wohl zwischenzeitlich in den Köpfen der indokrinierten Schüler hängen geblieben ist? Ich werde mal meinen Neffen fragen. Aber vermutlich ist der Jugend von heute eh alles Banane. Kein Wunder bei diesen Lehrplänen.

In diesem Sinne, bis demnächst

Euer Bernd

 



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