Thilo Sarrazin: Ich schäme mich!

Liebe Freunde,

in der letzten Woche war es nun soweit: Endlich konnte ich die Buchlieferung von Amazon  in Empfang nehmen. Über zwei Wochen musste ich warten um mitreden zu können über Thilos Thesen. Jetzt habe ich unserer Kanzlerin und unserem SPD-Vorsitzenden eines voraus: Ich habe dieses  Buch gelesen!

Eine persönliche Bemerkung vorab: Ich bin nun mal kein  Türkenhasser. Ich denke, die Türkei gehört mittelfristig in die EU.  Ich bewundere Mustafa Kemal Atatürk als einen der großen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Im Jahre 2000 hatte ich die Türkei bereist und war erstaunt:  Die Kinder adrett gekleidet in ihren Schuluniformen; wie selbstverständlich haben sie ihren Sitzplatz im Bus Älteren und Gebrechlichen angeboten. In Izmir, mit damals über 2 Mio. Einwohnern drittgrößte Stadt  des Landes, kein einziges Kopftuch in den Straßen. Statt dessen trugen die Frauen ihre langen schwarzen Haare offen und selbstbewusst wie südländische Schönheiten. Schon damals habe ich mich gefragt warum das bei uns so anders ist.

Jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe, überfällt mich ein Gefühl der Scham. Ich schäme mich für meine  Kanzlerin Angela Merkel, für meinen Bundespräsidenten Christian Wulff, für meinen Innenminister Thomas de Maiziere. Ich schäme mich nicht für den Zentralrat der Juden oder über Gewerkschaftsvorsitzende, denn diese Leute repräsentieren  mich nicht. Nichts von der massiven, in weiten Teilen unsachlichen, verächtlichen und verleumderischen Kritik an diesem Buch hält der genauen Betrachtung stand: Alles, was dort steht, ist fundiert und es ist weder rassistisch noch fremdenfeindlich. Allerdings hält dieses Buch unseren politisch Verantwortlichen  einen entlarvenden Spiegel vor Augen und fordert sie zu unbequemen Handeln auf. Im wesentlichen handelt es sich um vier Themenkomplexe:

  1. Das Versagen unseres Bildungssystems
  2. Die falschen Anreize unserer  sozialen Sicherung
  3. Die Entwicklung islamischer Parallelgesellschaften mitten unter uns
  4. Betrachtung über die langfristigen Konsequenzen der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und Europa im Kontext der vorgenannten Punkte

Die Lektüre ist über weite Teile flüssig und unterhaltsam geschrieben. Geradezu humoristisch wird es dort, wo des Autors persönliche Erfahrungen als Finanzsenator in Berlin oder die seiner Frau, die dort als Lehrerin tätig war, mit eingeflossen sind. Anrührend, wenn Thilo von seiner eigenen Pennälerzeit  erzählt. Trotz der vielen Statistiken, Tabellen und Querverweise ist das Buch leicht  lesbar und auch ohne Höhere Mathematik gut verständlich.  Und die Anstoß erregende zitierte These, daß geistige Fähigkeiten (oder auch Unfähigkeiten) zum Teil (!)  erblich sind, was ist daran so verwerflich?  In den 13 Jahren meiner Schulzeit und später als  Nachhilfelehrer konnte ich selbst, wie vermutlich die meisten von uns,  so meine eigenen Beobachtungen machen.   Hier spricht kein Mann mit einem politischen Karriereziel, das es noch zu erreichen gilt, erst recht nicht als Gallionsfigur  einer populistischen Partei. Er hinterlässt mit diesem Buch ein Vermächtnis, was wir damit anfangen ist unsere Sache.

Trotzdem ist der Autor eine tragische Figur: Als Patriot und Kulturoptimist glaubt er, mit seinem Buch etwas bewirken zu können. Deutschland schafft sich ab, das ist ein irreversibler Prozess in unserer modernen Gesellschaft. Man sollte nur etwas beklagen, was man auch beeinflussen kann, alles andere ist vergeudete Energie.  Mal ehrlich:  Wen von uns kümmert es wirklich, ob der Kölner Dom in hundert Jahren eine Geisterbahn, ein Parkplatz oder eine Grablege islamischer Terroristen ist? Oder ob dann ein libanesischer Fremdenführer kulturbeflissene Chinesen nach der Führung durch Schloss Neuschwanstein  um ein Bakschisch anbettelt?  Übrigens: Diese Beispiele stammen von mir, nicht von Thilo. Wichtig für mich ist, daß dieser Staat auch in 20 Jahren noch kreditwürdig genug ist um das Geld für meine Rente aufzubringen. Und meiner Tochter empfehle ich, sich ab dem Jahr 2060 rechtzeitig  einen Platz in einem  Rentnerheim in Florida zu kaufen  bevor ihr dann durch die hiesige Exekutive ein sozialverträgliches Ableben verordnet wird.

Wenn jemand  Sarrazins Buch lesen möchte, er kann es gerne bei mir ausleihen.

Herzliche Grüße

Bernd



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