Königlicher Besuch in der Höseler Gartenlaube

Schon seit einigen Tagen war uns auf der Gartenterrasse die Riesenwespe aufgefallen, die zielgerichtet stets mit tiefen Gebrumm  durch einen Spalt  im Gartenhäuschen verschwand.  Wenn da nicht mal was im Busch war! Schließlich machte sich die beste Frau von allen und Hobbygärtnerin auf die Suche und kramte in dem geordneten Chaos der Laube. Nichts!  Am nächsten Tag abends die gleiche Flugvorführung. Auch die zufällig anwesenden Bekannten waren von dem schwarzgelben Monster beeindruckt, obgleich es sich weder  um die Regierungskoalition noch um einen prominenten Fußballklub handelte. Also wieder auf die Suche. Und siehe da, man brauchte sich in der kleinen Laube nur mal umzudrehen (warum haben Frauen eigentlich immer eine eingeschränkte Sicht nach hinten?), da hing

Hornissennest

Hornissennest

es, ein kleines süßes Hornissennest, etwa so groß wie ein umgestülpter Pappbecher.  In dem nach unten offenen Nest etwa zwanzig rechteckige Waben, jeweils bewohnt von einer Larve. Und unsere Hornissenkönigin emsig beschäftigt mit der Brutpflege. Was nun? Der Blick ins Internet verschafft Aufklärung:  Die süßen Tierchen stehen unter Artenschutz und wir werden bald mit einem ausgewachsenen Volk von etwa 700 Exemplaren in unserer Laube rechnen können.  Und die  ansonsten friedlichen, von Fang anderer Insekten lebenden Hornissen verteidigen ihr Nest in Umkreis von ca 2 bis 6 Metern. Aha, Gartenarbeit für den Rest der Saison ade! Aber damit wollte sich die beste Frau von allen nicht abfinden. In Ratingen gibt es doch ein Amt für Umweltschutz? Ein kurzer Anruf beim Amtsleiter: Ach, glauben Sie doch nicht alles was im Internet steht! Aber wir werden weiter verbunden an einen freundlichen Mitarbeiter, der sich als erstes danach erkundigt, ob das Nest zugänglich sei, was wir natürlich wahrheitsgemäß bejahen, und anschließend unsere Adresse erfragt. In ca. einer dreiviertel Stunde sei er vor Ort. Ich bin beeindruckt. Eine derart schnelle Reaktion von Amtspersonen hätte ich nicht erwartet, höchstens bei Verkehrsverstößen.  Und tatsächlich klingelt es kurze Zeit später an der Tür.  In respektvollem Abstand bleiben wir zurück, als unser amtlicher Umweltschützer das Nest in Augenschein nimmt und erst mal zwei Fotos zur Beweissicherung aufnimmt.  Ja, das Nest soll entfernt werden. Aber zusammen mit der Königin, denn ansonsten käme die wieder und würde an gleicher Stelle ein neues Nest bauen. Diese lässt sich indessen von der Aufmerksamkeit um sie herum nicht beeindrucken sondern fliegt weiterhin fleißig ein- und aus um ihre Brut zu versorgen.  Unser städtischer Mitarbeiter verschwindet zu seinem Auto und kommt wieder mit einem Plexiglaskasten, ähnlich einem Terrarium. Wenn das mal gut geht! Wieder halten wir respektvollen Abstand, als unser Umweltschützer im Gartenhaus verschwindet. Noch ein kurzer Moment, dann können wir das Fangergebnis begutachten: Die Königin mitsamt Ihrem Bau ist jetzt im Glaskasten. Irgendwie scheint sich das Tierchen nicht besonders daran zu stören sondern kümmert sich weiterhin um die Brutpflege. Eine alleinerziehende Mutter, die nicht nur sich selbst, sondern auch noch den vielköpfigen Nachwuchs versorgt und obendrein für ein komfortables Nest gesorgt hat. Meine Hochachtung steigt, ich denke schon über eine Namensgebung für dieses beeindruckende Wesen nach. Ursula? Nein, klingt zwar adelig, aber nicht wirklich königlich. Wir werden aufgeklärt: Das in den Waben sind alles Mädchen, aus denen  Arbeiterinnen werden. Und dann werde  die Königin  ihr Nest nicht mehr verlassen, ließe sich nur noch füttern und widme sich ausschließlich der Fortpflanzung und Vermehrung ihres Volkes. Keine Ahnung, warum ich in diesem Moment an Sarrazin denken muß.  Und was geschieht jetzt mit dem Nest?  Antwort: das wird jetzt etwa fünf Kilometer von hier abseits der Wege wieder neu an einer geeigneten Stelle befestigt.  So könne die Königin ihr Brutgeschäft vollenden.  Wir sind beeindruckt. Soviel Aufwand für unsere Königin und ihren Nachwuchs! Dankbar verabschieden wir uns von unserem Hornissenfänger  und einem Lebewohl für die fleißige Königin. Schade eigentlich, die Aussicht für den Rest der Saison von der Gartenarbeit befreit zu werden, hatte für mich durchaus ihren  Reiz.

Die Königin

Die Königin



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