Nein, ich will keine Steuersenkung!

Liebe Freunde,

auch als Ruheständler erlebt man so seine aufregenden Tage. Nein, ich meine nicht den Börsencrash oder Angelas Outfit bei den Bayreuther Festspielen. Ich sage nur eins:  Steuersenkungsdebatte!

Ich hatte es mir doch so bequem als Rentner eingerichtet. In der absoluten Gewissheit, daß sich bezahlte Arbeit für mich nicht mehr lohnt. Denn mit meinen Einkünften aus Rente, Betriebsrente und eigener Vorsorge liege ich gerade so am oberen Ende der Progressionskurve. Will sagen:  Von jeden zusätzlichen Euro geht die Hälfte weg für Steuer und Soli, weitere 12% für Sozialabgabe, und um den verbleibenden Rest wird meine Rente gekürzt. Ergo (und damit meine ich nicht eine Versicherung aus ungarischen Spaßbädern): Schön zu Hause bleiben und dem geruhsamen Nichtstun frönen!

Und da kommt doch vor ein paar Wochen allen Ernstes wieder unser Heidelberger Professor  mit dem eingänglichen  Namen Kirchhof um die Ecke mit der uralten Idee von seiner Flat-tax! Brav unterstützt von unserem Vizekanzler namens Rösler!  Meine ganze Lebensplanung wird neu durchgeschüttelt: Sollte ich etwa wieder anschaffen gehen? Statt 45% Steuern nur noch 25%? Das wären immerhin 20 Cent von jedem Euro. Aufgeregt schwirren mir die Alternativen durch den Kopf:  Ich könnte mich ja wieder als Mathe-Lehrer verdingen. Um etwa pubertierenden Pennälern die Logik und Ästhetik von Kurvendiskussionen, Parabeln, Potenzreihen oder bestimmten  Integralen näher zu bringen.  Genau für so was werden schmerzunempfindliche Typen wie unsereins mit Staatsexamen von den Kultusministern aller Länder gesucht. Sicher, ich müsste aufpassen daß es mir nicht so geht wie Horst Arnold. Aber da bin ich auf der Hut. Oder wäre da nicht etwa ein Job beim Statistischen Bundesamt interessanter? Auch die ködern des Öfteren Mathematiker mit lukrativen Zeitverträgen und interessanten Jobs, wie etwa bei Volkszählung oder CO²-Emissionen von Waldböden.  Die entsprechenden Stellenanzeigen habe ich immer mit lebhaftem Interesse durchstudiert. Und zu guter Letzt könnte ich ja auch mich noch in meinem alten Job als IT-Projektleiter verdingen.

Stress, Stress! Ich werde noch ganz Banane in meinem Rentnerschädel. Ich muß den inneren Schweinehund überwinden, Bewerbungen schreiben und Vorstellungsgespräche führen. Mein Gott, was für eine Aufregung!  Ich schlafe schon unruhig, lege mir gedanklich passende Formulierungen vor das Vorstellungsgespräch zurecht.  Das läuft wieder meine geruhsame Lebensplanung!

Dann, vor ein paar Tagen, endlich Entwarnung: Keine Steuersenkung! Stattdessen denken sogar die Genossen von der schwarzen Fraktion laut nach über eine weitere Erhöhung des Spitzensteuersatzes! Erleichtert lasse ich die Tageszeitung zu Boden sinken: Kein Grund zur Panik, es  bleibt alles beim Alten! Und das heißt: Hände weg von der Arbeit! Es ist Freitag,  Zehn Uhr morgens, ich sitze gemütlich auf meiner Terrasse,  blinzele in die Sonne, die Kaffeetasse neben mir. Rundherum zufrieden. Von Ferne höre ich die Verkehrsnachrichten von WDR4. Immer noch der Riesenstau auf der A3. Da sitzen bestimmt seit Stunden hunderte Berufspendler fest. Arme Schweine! Und demnächst werden die noch durch Seehofers Maut geschröpft.

Nichts ist schöner als die Gewissheit,  alles richtig gemacht zu haben. Und als älterer Mensch schätzt man nichts mehr als die Beständigkeit.

In diesem Sinne,

Euer Bernd



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